1. Veröffentlicht am 16. Januar 2013
    – Drogenkonsumierende haben das grösste Risiko für eine chronische Infektion mit Hepatitis C und haben gleichzeitig den schlechtesten Zugang zu adäquater Behandlung.
    – Drogenkonsumierende leiden nebst ihrer Suchterkrankung an zahlreichen körperlichen und psychischen Begleiterkrankungen und fallen oft durch die Maschen des bestehenden Gesundheitssystems
    – Seit 2009 ermöglicht eine Kooperation zwischen der Universitätsklinik für Infektiologie des Inselspitals und der heroingestützten Behandlung KODA schwerstabhängigen Drogenkonsumenten den vereinfachten Zugang zu somatisch orientierter medizinischer Versorgung.
    Seit Mitte der 90er Jahre werden in Bern schwerstabhängige, langjährige Drogenkonsumenten in der heroingestützten Behandlung KODA betreut. Das interdisziplinäre Team wird ärztlicherseits durch Suchtmed iziner mit Facharztausbildung in Psychiatrie geleitet. Die somatische Behandlung der KODA Patienten erfolgte ursprünglich extern durch Hausärzte und universitäre Spezialkliniken, eine integrierte somatische Versorgung vor Ort fehlte.
    An der Universitätsklinik für Infektiologie des Inselspitals Bern werden in der ambulanten HIV Sprechstunde auch drogenkonsumierende Patienten betreut. Mit dem bestehenden Angebot wurden die betroffenen Patienten schlecht erreicht: Kontrolltermine wurden oft nicht wahrgenommen , die medizinisch indizierten Abklärungen und Therapien konnten nur unvollständig durchgeführt und die Situation der Patienten mit spezifischen gesundheitlichen Problemen nur wenig verbessert werden. Der bestehende Behandlungsansatz wurde den Bedürfnissen der Patienten offenbar nicht gerecht und war für alle Beteiligten letztlich unbefriedigend. Ab 2008 wurde eine engere Zusammenarbeit zwischen KODA und Universitätsklinik für Infektiologie angestrebt. In einer initialen Bedarfsabklärung konnte gezeigt wer den, dass mehr als die Hälfte der KODA Patienten an somatischen Begleiterkrankungen litten aber nur zehn Prozent regelmässig durch einen somatisch ausgebildeten Arzt betreut wurden.
    Patienten welche in der KODA betreut werden, verbleiben in der Regel Jahr e bis Jahrzehnte im Programm. Entsprechend handelt es sich um eine alternde Population mit einer im Verlauf der nächsten Jahre zu erwartenden Zunahme der somatischen Morbidität. Seit 2009 bietet die Infektiologie des Inselspitals im Rahmen eines Allianzprojektes dreimal pro Woche eine im KODA integrierte, somatisch orientierte Sprechstunde an. Der bisherige Verlauf gestaltet sich erfreulich: Für die Patienten ist der Zugang zur integrierten Sprechstunde einfacher und Termine werden mit ausreichender Verbindlichkeit eingehalten. Somatische Erkrankungen werden nach Möglichkeit vor Ort behandelt oder zumindest adäquat triagiert. Die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit (Pflegeteam, Psychiater KODA und somatisch ausgerichtete Aerzte der Infektiologie) erlaubt die erfolgreiche Durchführung von komplexen Behandlungen im KODA: Patienten welche an chronischer Hepatitis C oder an einer HIV Infektion leiden können abgeklärt und bei entsprechender Indikation vor Ort behandelt werden. Aufgrund dieser positiven Bilanz wird versucht eine ähnliche Zusammenarbeit auch mit dem Zentrum für ambulante Suchtmedizin (ZAS) in Bern aufzubauen