1. Veröffentlicht am 11. April 2012
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    210 Drogenpatienten behandelte die Kontrollierte Drogenabgabestelle (Koda) im vergangenen Jahr – ähnlich viele wie in den Jahren zuvor. Die heroingestützte Behandlung richtet sich an schwerabhängige Drogenkonsumenten, bei denen andere Behandlungsversuche gescheitert sind – an den «harten Kern» der Heroinsüchtigen. Da die chronisch süchtigen Patienten über Jahre im Programm bleiben und immer älter werden, ist die Fluktuation gering. Die Zahl der Austritte hat im letzten Jahr mit 15 Personen einen Tiefststand erreicht.

    Den 15 Austritten stehen 20 Personen gegenüber, die im vergangenen Jahr neu ins Programm eingetreten sind. 10 dieser Personen sind nicht aus anderen Substitutionsprogrammen in die heroingestützte Behandlung eingetreten, sondern direkt von der Gasse.

    «Wir sind die letzte Station»

    Bei den Neueintritten sei man vermehrt mit «schweren Fällen von Doppeldiagnosepatienten» konfrontiert, teilt die Koda in ihrem Jahresbericht mit. Das heisst: Immer mehr neu eintretende Patienten sind nicht nur drogensüchtig, sondern leiden auch unter Depressionen, Schizophrenie oder bipolaren Störungen. «Die Patienten, die neu in unser Programm kommen, sind tendenziell psychisch stärker belastet», sagt die Koda-Betriebsleiterin Barbara Mühlheim. Einen Grund dafür sieht sie in der besseren Vernetzung mit Spitälern, Notfallzentren und psychiatrischen Kliniken. «Die Institutionen der Grundversorgung kennen uns besser und weisen uns häufiger Patienten zu.»

    Mitarbeitende der Koda klärten jeweils in Spitälern ab, ob sich ein Übertritt ins Programm anbiete. So gelinge es, «noch niederschwelliger» zu arbeiten. Denn vermehrt könne Personen Aufnahme ins Programm verschafft werden, die schon jahre- oder gar jahrzehntelang auf der Gasse lebten, bisher aber nicht erfolgreich hätten behandelt werden können oder in anderen Institutionen nicht mehr tragbar gewesen seien. «Wir sind die letzte Station», sagt Barbara Mühlheim.

    Fast 30 Kilo Heroin verabreicht

    Insgesamt verabreichte die Koda im Jahr 2011 29,6 Kilogramm Heroin, wie aus dem Jahresbericht hervorgeht. Die Koda kostete dies 488’000 Franken. Auf dem Schwarzmarkt hätten die Patienten zur Erzielung der gleichen Wirkung 197 Kilogramm Gassenheroin (mit einem Reinheitsgrad von 15 Prozent) zu einem Preis von 11,8 Millionen Franken einkaufen müssen. Der einzelne Koda-Patient hätte im Schnitt 58’416 Franken ausgeben müssen, 160 Franken pro Tag.

     

    Der Artikel aus dem Bund: Mehr psychisch Kranke im Heroin-Abgabeprogramm